Erinnerungsabend an die Sturmflut 1962 - Unser Stöckter Deich

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Erinnerungsabend an die Sturmflut 1962

Was ist los

120 waren dabei – unser  Erinnerungsabend zu „50 Jahre Hochwasser in Stöckte“

Vor 50 Jahre verwüstete die große Sturmflut weite Teile Hamburgs – das Hochwasser traf auch die Winsener Marsch. Wir hatten am 10. Februar eingeladen, den Opfern und Auswirkungen der Flut zu gedenken. 120 Zuhörerinnen und Zuhörer kamen. Im Mittelpunkt standen bewegende Augenzeugenberichte, aber auch der Austausch untereinander.


Willi Eckhoff, einer der Sprecher der Interessengemeinschaft und selbst Augenzeuge, moderierte den Abend. Im Mittelpunkt des Abends standen die Erlebnisse von Hermann Riege, Henry Müller, Horst Domminski und Erich Brüggemann, vier Fluthelfern, die schon lange Jahre am Stöckter Deich oder in Winsen wohnen. Sie berichteten von ihren Erlebnissen am 17. Februar 1962: von der überschwemmten Marsch, geretteten Menschen und Tieren, verwüsteten Feldern, vollgelaufenen Häusern, verendetem Vieh, verzweifelten, geschockten und ungläubigen Betroffenen und immer wieder von der starken Hilfsbereitschaft und Gemeinschaft, ohne die die Schäden um ein vielfaches höher gewesen wären.
„Dieser Abend soll uns daran erinnern, wie gefährlich das Wasser werden kann. Wir müssen verantwortungsvoll mit den Deichen umgehen“, mahnte Willi Eckhoff. Mit Blick auf die Planungen des Deich- und Wasserverbandes „Vogtei Neuland“, den Stöckter Deich unter anderem zu erniedrigen,  fügte er hinzu: „Man kann nicht über unsere Köpfe hinweg entscheiden. Der Deichverband hat am Elbdeich gute Arbeit geleistet. Jetzt wollen wir am Stöckter Deich gemeinsam mit ihm arbeiten und fordern Transparenz.“

Unvergessen ist, dass der Stöckter Deich 1962 zum Rettungsweg wurde: Der Superintendent hatte im Winsener Schützenhaus ein Notquartier für die obdachlosen Menschen aus Rosenweide und  Fliegenberg eingerichtet. „Der Stöckter Deich war damals Fluchtweg, die einzige Verbindung nach Winsen. Ohne ihn wäre vieles schlimmer gekommen“, ist Erich Brüggemann (83 Jahre)  sicher und erntete damit Zustimmung aus der Versammlung. „Der Meinung sind die Menschen in der Interessengemeinschaft auch“, betonte Willi Eckhoff. „Deswegen wollen wir den Deich stark erhalten, ihn pflegen, zum Wohle aller. Der Stöckter Deich muss eine Lebensader bleiben.“  

Das Interesse an dem Erinnerungsabend war groß, es mussten weitere Stühle in den Raum des Dorfgemeinschaftshauses gebracht werden, Nachzügler standen vor dem Eingang oder saßen auf der Treppe. Sie hörten ergreifende Berichte, die Schilderungen waren so präsent, als hätte sich die Flut gestern ereignet.

Erinnerungen:

Kühe standen bis zum Bauch im Wasser, auf der Hoopter Straße stand das Wasser 30 cm hoch, Schweine retteten sich von ihrer Weide auf Terrassen.
Horst Domminski (74 Jahre) arbeitete in der Winsener Wassermühle: „Um Mitternacht wurden die Maschinen langsamer, hinter den Turbinen bildete sich ein Rückstau, das Wasser stad schon knöcheltief im Müllerhaus. Das Wasser um uns herum war unheimlich. Wir fragten uns ‚Was ist los?’, denn wir konnten nichts sehen. Und dann hörten wir Hilferufe.“ Zusammen mit seinem Chef rettete er eine Familie aus einem tiefgelegenen Haus hinterm Schusterwall mit dem Boot.

Erich Brüggemann (83 Jahre) wohnte schon damals außerhalb des Stöckter Deichs: „Wir uppendiekers liegen sehr hoch und waren damals nicht gefährdet. Am Morgen sahen wir die Ausmaße: Die Marsch binnendeichs war komplett mit Wasser bedeckt, 30 cm standen auf der Hoopter Straße, die Keller waren vollgelaufen.“

Henry Müller (83 Jahre) stand um 3 Uhr nachts auf dem Elbdeich, viele Menschen waren unterwegs:„Der Wind blies unheimlich, Gischt und Wogen gingen am Elbdeich, es war ganz gefährlich. Dann konnte man sehen, wie der Wasserstand fiel. Und dann drehten wir uns um und sahen, dass das Wasser von achtern auf uns zu kam.“

Auch Anekdoten sind im Kopf geblieben:„Ein Nachbar wollte unbedingt nach Winsen, das bin ich mit dem Boot direkt bis an die Haustür herangerudert, es war ja überall Wasser, er kam nicht raus aus dem Haus. Und als ich näher kam, sagte er ‚Aber Herr Müller, bitte beschädigen Sie nicht meinen Rasen.’“
Ein Zuhörer war 1962 kleiner Junge und erinnert sich:„Das Wasser stand bis zur Deichkante, meine Eltern befanden, es sei zu gefährlich für mich. Dann wurde ich mit drei Kühen zu meinen Großeltern nach Schätzendorf evakuiert.“

Die Hintergrundpräsentation kann hier betrachtet werden.

 
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